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Aus dem Buch „Totentanz der Tiere“ von Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos die Gedanken eines Schweines es auf seinen letzten Weg vom Viehtransporter in den Schlachthof geht.
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Ich
höre den Motor des Lkws, das Türenschlagen des Viehtransporters. Nach
meiner Einschätzung müsste es Abend sein. Genau kann ich es nicht sagen,
die Lebenszeit, die ich hier verbringe, ist bei künstlichem
Dämmerlicht, ohne Bewegung, in unerträglichem Gestank, auf Spaltböden
und Kunstfutter mit zahllosen Medikamenten; Gras haben meine Füße nie
gespürt, nur Kot, nur Dreck. Vielleicht habe ich einmal im Leben
das große Glück, auf dem Transport das richtige Licht zu sehen,
richtige Luft zu atmen. Es soll ja eine Sonne geben, Sterne , Wind und
Regen. Aber das sind Mythen, die durch unsere Gedanken kreisen, bei uns
Tausenden, die hier eingeschlossen sind, hier geboren sind, ich weiß es
aber nicht.
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Ich
sitze in einer der vorderen Boxen, ich bin heute auf jeden Fall dabei.
Endlich ist der große Tag der Befreiung gekommen, der Tag, den wir alle
herbeisehnen, der Tag auf den sich unser ganzes Leiden hin entwickelt
hat, der Sinn unserer kurzen, qualvollen Existenz. Der Weg, die Fahrt
zum Schlachthof, meine letzte Chance einen Blick auf diese mörderische
Welt zu werfen. Ich habe mir
vorgenommen, den Weg mit größter Würde anzutreten, mit Demut gegenüber
meinem Schicksal. Der Tod wird ein Geschenk für mich sein. Ich kehre in
den unendlichen Frieden zurück, aus dem ich einst aufgebrochen bin, aus
dem ich in diese fürchterliche Menschenwelt geworfen wurde.
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Ich
hab mir vorgenommen, aufrecht zu gehen, auch wenn die Beine unter
meinem Körper einknicken, die Last des Körpers kaum tragen können, weil
ich sie Zeit meines Lebens nicht benutzen konnte. Ich werde mit
zusammengebissenen Zähnen die Elektroschocks der Treiber ertragen, zum
letzten Mal, es gilt die Freiheit des Todes zu erringen. Es ist dies
kein Anflug von Verzweiflung, ich kenne die Kette meiner Tage, kenne die
Kette der Qual, des Martyriums aus meinen wenigen Lebenstagen. Mein Verlangen nach einer Zeit, in der Leben aufhört, Folter und Qual zu sein, ist unbändig.
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Jetzt
bin ich an der Reihe, die Boxentür geht auf, ich erhalte einen brutalen
Stockschlag an den Kopf. Es scheint tatsächlich abends zu sein, wenn
man das so nennt. Ich hab es noch nie gesehen. Abends bedeutet
eine letzte lange Qual, die letzte allerdings. Es bedeutet eine lange
Fahrt, vielleicht zum Schlachthof nach Rom, die Nacht hindurch, durstig,
hungrig, voller Ungewissheit. Rom sehen und sterben!
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Der
Weg in die Freiheit ist bitter und qualvoll erkauft, manche von uns
sterben leichter, manche fürchterlicher, aber der Lohn ist immer der
unendlich tiefe Frieden, die Flucht vor der Menschheit. Die Menschheit,
die uns ein Leben in Freiheit, in Sicherheit verweigert. Die Natur wird
mich aber wieder in die Masse der Wesen einkneten und macht vielleicht
eine Wolke, einen Tautropfen, hoffentlich aber nicht wieder ein Schwein
oder gar einen Menschen aus mir. Egal,
morgen früh komme ich in die Todesbox, mit etwas Glück ist der
Akkordschlächter nüchtern, trifft mich gut mit dem Bolzenschuss. Ich
werde stillhalten, nicht ausweichen, damit es schnell geht. Wir sterben
an diesem Tag zu Tausenden, so wie jeden Tag. Tausend Lebewesen jede
Sekunde auf der besten aller Welten, auf einer Welt, welche die
Menschheit zum großen Schlachthaus gemacht hat.
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Das
Quieken der Anderen ist das verzweifelte Auslachen der Menschheit durch
uns Todgeweihte, das Lachen darüber, dass wir mit dem Tod ihrer Macht
endgültig entfliehen, das Lachen der Verachtung ob ihrer
Überheblichkeit, ob ihres Wahnsinns. Einen
Tag später werden meine zerlegten Körperteile verkauft und gegessen,
hoffentlich aber von einem Hund oder einer Katze. Der Gedanke, im Körper
eines Menschen begraben zu werden, ist mir zutiefst zuwider, im Körper
derjenigen, die sich für das Ebenbild eines Gottes halten, eines
bluttriefenden, erbarmungslosen Gottes.
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(aus: Bleibohm/Hoos, Totentanz der Tiere, Geistkirch Verlag,
Saarbrücken 2009, S. 49 ff.)
Saarbrücken 2009, S. 49 ff.)
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Aus dem Klappentext des Buches vom Geistkirch Verlag.
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In einer Welt, in welcher der Sinn für Natur- und Umweltschutz nur zögerlich wächst, werden Tierrechte vernachlässigt, ignoriert und im allgemeinen Bewusstsein ausgeblendet.
Inakzeptable Massentierhaltungen, eine wachsende Zahl an Tierversuchen und eine ausufernde Hobby- und Spaßjagd stellen ein massives Tierschutzproblem dar. Tierrechte werden mit Füßen getreten, obwohl die existierende Gesetzgebung zum Tierschutz – würde dieser konsequent umgesetzt – einen Rahmen bieten würde, mit dem zahlreiche Vergehen auszumerzen wären. Tierleid geschieht unter den zum Teil blinden Augen von Behörden, wird gesellschaftlich nicht geächtet und von den Kirchen zusätzlich noch sanktioniert.
Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos zeigen Missstände und Zusammenhänge schonungslos und direkt auf und legen den Finger in die Wunde der Gleichgültigkeit. Fachlich fundierte Beiträge wechseln mit bissiger Satire ab. Ein besonderes Augenmerk werfen die beiden Autoren dabei auf den Widersinn der Jagd und auf die ethischen Ursachen des Tierleides durch christliche Glaubensvorstellungen.
Weitere Informationen unter www.pro-iure-animalis.de
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http://www.geistkirch.de/index.php?route=product/product&product_id=115
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