Das schwärzeste aller Verbrechen - Teil 1
Christen gegen die Kreatur
Ich bringe hier ein paar Ausschnitte aus einem Aufsatz von Karlheinz Deschner. Wenn man liest welche Ungeheuerlichkeiten in den "heiligen" Büchern der Christen stehen, dann muss man sich fragen wie Christen da noch Christen bleiben können? Wie will eine Religion das Gute lehren wenn sie Mitgeschöpfe, also Tiere, auf das übelste verleumdet und bei größten Grausamkeiten ihnen gegenüber nicht das geringste Mitleid aufbringt. Was soll eine Religion, der das Mitleid gegenüber Tieren fehlt? So wie die christliche Religion Tiere behandelt müsste man meinen sie seien Teufels Geschöpfe. Man kann bei diesen Aussagen von Paulus, Kirchenlehrern, Päpsten, Bischöfen usw. nur von Boshaftigkeit, Grausamkeit und Sadismus reden. Niemand kann und soll mir erzählen, dass Menschen die mit Tieren so abgrundtief boshaft sind, gut zu Menschen sein können, das Beste für sie wollen. Mir fehlt jedes Verständnis für Christen, die Tiere wirklich lieben, und zwar alle, in so einer Kirche bleiben können.
Hier nun Karlheinz Deschner in Auszügen.
Biblischer Tierschutz? Archaischer Respekt vor dem nichtmenschlichen Leben? Der nackte Egoismus einer Viehzüchterreligion! Da sind sich, wie in so vielen Greueln - doch im krassen Kontrast zum Monismus der alten Asiaten, Indianer -, die monotheistischen Gottesanbeter einig: "Allah ist's, der für euch das Vieh macht", rühmt der Koran. "Die einen Tiere sind zum Reiten da, die anderen zum Essen. Und ihr habt den Nutzen davon" (40,79 f.).
Wie wahr - wenn Sie sich gütigst mit Theodor Lessing erinnern, warum denn der Hirte, auch und gerade der "gute Hirte", seine Herde hegt? Erstens damit er sie scheren kann, zweitens damit er sie fressen kann.
Oh, wir kennen diese Nase! Riecht sie nicht Blut noch immer gern?
Und gleich darauf dröhnt es abermals: "Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel ... und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise ...". Und bloß ein Blättchen weiter nach dieser furiosen Freßanweisung, da beehrt Herr Nimrod die Schöpfungsordnung - "und war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN": biblischer Aufgang des open air bestivals. Hier ist sie, die hehre Herren-, Heger-, Pflegerlüge, das Halali, das die Kreatur in den Kochtopf jagt - indes für die EKD ("Texte" 41, 1991): "ethisch vertretbar".
Da die Fressenden, dort jene, die froh sein können, daß man sie frißt.
Las ich doch erst unlängst vom Dogmatikkolleg eines "heute berühmten deutschen Bischofs", der im Rahmen der Schöpfungslehre erklärte, es könne ja "dem Fisch und dem Hasen gar nichts Besseres passieren, als vom Menschen gegessen zu werden, denn dies entspreche der Rangmäßigkeit der Schöpfungsordnung" - und wurde von fünfhundert Hörern, sicher gut christlichen, "mit wohlgefälligern Lachen" belohnt (in: H.F.Kaplan, Hg., Warum ich Vegetarier bin. Prominente erzählen, 1995).Nach 1. Kg. 8,62 f. schlachtete Salomo bei der Tempeleinweihung dem Herrn 22000 Rinder und 120000 Schafe, alles aus Respekt vor dem Schöpfer und der Schöpfung. Als Leckerbissen galten Rindfleisch, der Schwanz des Schafes und ganz junge Ziegen, während das schlichtere Volksmaul vor allem Fische verschlang. Pferde ließ David, der nichts ohne Gott tat, gern lähmen und liquidieren. Tiere, die einen Menschen tödlich verletzten, mußten gesteinigt, Tiere, mit denen man koitierte, gleichfalls kaputtgemacht werden.
Im Neuen Testament, in dem das Tier eine viel geringere Rolle spielt, ist ein Wort gleich des ersten Christen bezeichnend. Fragt Paulus doch: "Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? Oder redet er nicht allenthalben um unseretwillen?" Wie der Völkerverderber (Röm. 1,22 ff.) tiervergötternde Heiden ja auch "Narren" schmäht, weil sie "gedient dem Geschöpf statt dem Schöpfer".
Und Jesus vernichtet zwecks Heilung eines einzigen Menschen - eines der fulminantesten, von allen Synoptikern berichteten neutestamentlichen Strafmirakel - zweitausend Schweine. Wieder bestätigt sich das Wort der deutschen Oberhirten beider Konfessionen: "In den Zeichen und Wundern Jesu wird deutlich, zu welcher Herrlichkeit die Schöpfung berufen ist" - "und sie ersoffen im Meer".
Später setzen auch die Kirchenväter das Tier infam herab - wie die Frau, die das Juden-Christentum oft dem Tier annähert:
Das 3. Buch Mose stellt die Frau den Haustieren gleich. Für den Kirchenlehrer Augustinus ist sie, wie das Tier, nicht nach Gottes Ebenbild geschaffen (mulier non est facta ad imaginem Dei). Und nach Thomas von Aquin, der die Frauen noch selbstherrlicher, noch tiefer demütigt und gegen schädliche Tiere Exorzismen sowie Justizprozesse anrät, kennt das "animal brutum" nur Fraß und Koitus.
Mit wahrem Haßvergnügen werfen die größten katholischen Heiligen ihren Mitmenschen Tiernamen an den Kopf, bevorzugt andersgläubigen Christen: "Tiere in Menschengestalt", "Füchse", "Wölfe", "tolle Hunde", "schmutzige Schweine", "Schlachtvieh für die Hölle"; indes etwa Luther den Heiligen Vater "Krokodil" tituliert, "Drachen und Höllendrachen", "Bestie der Erde", "Papstesel", "Papstsau" usw. (Ist ja auch die Frau für Luther "ein Kind", "ein halbes Kind", "ein Toll Thier".)
Und im Alten Testament verführt die Schlange die Frau, die ihrerseits wieder den Mann betört, worauf die Kirche durch zwei Jahrtausende das Weib mit Eifer und Geifer verunglimpft, benachteiligt und die Schlange wie kaum ein anderes Tier verteufelt: Inbegriff der Sünde nun, Staubfresserin, nicht mehr Wiedergeburt verheißend, sondern Tod; die Jungfer Marie, die reine, zertritt ihr den Kopf.
Wer kennt nicht in romanischen, in gotischen Christentempeln all die Greuelkreaturen, die zerquälten Tiergesichter, von irgendwelchen Heiligen zertreten. An Portalen, Tympana, an Kapitellen mutiert das Tier zur Bestie: Raben, Hunde, Hasen, Kröten, Esel, Löwen, Wölfe, Widder, Drachen, samt und sonders Satansbiester, Teufelsfratzen; womit implizit stets auch der "Sünder", das "Tier in uns" getreten wird, die Sexualität. "Der Teufel", schreibt Friedrich Heer, wird da dem Volk präsentiert "als ein ,Vieh`, ein ,schweinisches Vieh`".
Zum puren Vergnügen marterten mittelalterliche Christen im Spiel vom Geflügel bis zu den Rindern alles zu Tode. Schweine wurden am Strang gesetzesgerecht hingerichtet, Hunde als Teufelsgehilfen gepeinigt und lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch Katzen flogen am Johannistag in ganz Westeuropa fuhrenweise ins Feuer; in Metz veranstaltete man mit ihnen, unter klerikaler Patronanz, entsetzliche Autodafés bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.
"Grausamkeit gegen Tiere", notiert Alexander von Humboldt, "kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen."
Aber bei wahrer Religion.
Nun gibt es Christen, die gern jenen, der dem Bruder Esel predigte, den Vögeln, als Alibi benutzen, Franz von Assisi, diese fast singuläre Lichtgestalt in all den finsteren Geschehnissen der Kirchengeschichte. Seine Beziehung aber zum Tier, wie halbherzig auch immer - er wandte sich bei eklatanten Roheitsakten "nicht gegen die Roheit selbst und erst recht nicht gegen die Rohlinge persönlich" (so der Bayreuther Soziologe Gotthard Teutsch) -, nahm die Kirche nie wirklich ernst; Papst Innozenz III. kommentierte, der Überlieferung zufolge, er solle doch den Schweinen predigen.
Und dreieinhalb Jahrhunderte später, 1567, verbot Pius V. - Inquisitor und heilig - durch die Bulle "De salute gregis" zwar Stierkämpfe "für ewige Zeiten", doch nicht, wie meist hingestellt, als Humanitätsakt gegenüber den Stieren und oft grauenhaft krepierenden Pferden, sondern nur, wie § 1 testiert, wegen der "häufigen Todesfälle von Menschen, Verstümmelungen menschlicher Glieder und Gefahr für das Seelenheil". Wieder dreihundert Jahre darauf Mitte des 19. Säkulums, untersagte Pius IX. die Eröffnung eines Tierschutzbüros in Rom; habe der Mensch doch, was Tiere betrifft, keinerlei Pflichten - und 1985 erfolgte der erste Schritt zu seiner Heiligsprechung kraft offizieller Anerkennung seiner "heroischen Tugend".
Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafftzu haben; stimmt.
Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion - nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.
Karlheinz Deschner ist Deutschland schärfster Religions- und Kirchenkritiker. Bekannt ist vor allem sein auf zehn Bände angelegtes Hauptwerk »Kriminalgeschichte des Christentums«.
Quelle: »Die Zeit«, 22.8.1997, S.40
Dsa schwärzeste aller Verbrechen
Gruß Hubert
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